Moth (Falter II) –
was hat Gustave Courbets Gemälde Die Woge mit der Baumwolle zu tun?
Winterthur, Schweiz, 2021
Intervention im ehemaligen Busdepot
Färberstrasse, Weberstrasse, Seidenstrasse, ...
Das Busdepot, das früher ein Depot für Trams war, steht mitten in einem Quartier, wo die Strassennamen an die Zeit erinnern, als Winterthur eine der wichtigsten Industriestandorte für den Textilhandel wie auch der Textilproduktion der Schweiz war.
Im Depot habe ich verschiedene Dinge zueinander in Bezug gesetzt, die aus unterschiedlichen Perspektiven und von verschiedenen Zeiten berichten. Ihr gemeinsamer Schnittpunkt ist die Baumwolle bzw. der Handel mit der Baumwolle.
Was hat Gustave Courbets Gemälde Die Woge mit der Baumwolle zu tun?
In der nur einen Tag dauernden Ausstellung führte ich die BesucherInnen in kleinen Gruppen durch die ca 300m2 grosse Halle und ging dabei dieser Frage nach.
Elemente der Ausstellung:
- Fotografien, die ich auf einer Reise in Südindien gemacht habe, verweisen auf Spuren kolonialer Vergangenheit in Indien oder dokumentieren ein sehr altes Handwerk: Der Bau von Urus (Malayalam: dickes Boot); Boote aus Holz, die früher für den Handel mit den arabischen Ländern eingesetzt wurden, werden heute nur noch als Luxusobjekte für wohlhabende Scheichs aus den arabischen Emiraten gebaut.
- Eine Anordnung von Objekten bezieht sich auf das Gemälde von Gustave Courbet Die Woge, welches sich in der Sammlung Oskar Reinhart "Am Römerholz" befindet. (Arbeitsschemel aus dem Depot, Dachlatten und Keramikelemente)
Oskar Reinhart war ein Kulturförderer und Kunstsammler von Winterthur. Die Sammlung beinhaltet seine Privatsammlung, die er 1955 der Eidgenossenschaft vermacht hatte. Er war der jüngste Sohn von Theodor Reinhart, der ab 1912 mit seinen Söhnen die Handelsfirma Volkart Brothers Winterthur und Bombay seines Schwiegervaters Salomon Volkart übernahm. Der Baumwollhandel war der wichtigste Wirtschaftszweig der Firma. - Kopien von Recherchefotografien aus Besuchen im Stadtarchiv Winterthur (Archiv Volkart) zeigen Momente in der Abwicklung des Verkaufs der Rohbaumwolle (Indien, 1957)
- Der offengelegte „Mechanikergraben“ und der raumhohe Baumwollvorhang sind meine direkten und visuell am stärksten sichtbaren Interventionen in die Architektur der Halle.
- Schliesslich frage ich in einem Brief an die zuständige Abteilung der IKEA nach der Herkunft und den Produktionsbedingungen des Baumwollstoffes, den ich in grosser Menge bei ihnen eingekauft habe. Der Briefentwurf hängt auf der anderen Seite der Halle, gegenüber dem Vorhang, an der Wand. (Der Brief bleibt unbeantwortet.)
Teil der mehrteiligen Arbeit Mahagony
Dank an:
- Anutoshen M. Hüer (Aufbau, Technik)
- Mit der freundlichen, finanziellen Unterstützung der Stadt Zürich (Arbeitsstipendium Covid-19)